Ein paar Worte vorweg

 

Der Blog eines Autisten also. Fein. Aber wozu? Gibt’s davon nicht schon genug? Ist nicht allmählich alles über Autismus gesagt? Wird nicht schon genug dummes Zeug geschrieben? Muss ich das unbedingt mit meinem eigenen Unsinn anreichern? Wem soll das nützen? Wozu soll das gut sein?

 

Ich habe mir in den letzten Monaten viele derartige Fragen gestellt. Aber letztlich läuft es immer auf dieselbe Antwort hinaus:

Texte, die von Inhalt und Art so sind, dass ich sie gerne lesen würde, finde ich nicht im Netz. Entweder gibt es sie nicht, oder ich suche nicht an der richtigen Stelle. Also muss ich sie selber schreiben (wenn ich das denn kann).

 

Aber wozu das ins Netz stellen? Sollte es einem Autisten nicht genügen, seine Texte zu schreiben und irgendwo in einer Schublade zu lagern? Lesen wird das eh keiner. Und wenn doch, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich weder Kontakt noch Austausch mit diesen Menschen will.

 

Seit Monaten schon finde ich immer nur dieselbe Antwort:

Wenn ich das lesen will, will vielleicht auch jemand anders das lesen. Ich zwinge niemanden, das zu lesen. Und gegen unerwünschten Kontakt schützt mich die Anonymität im Netz

 

 

Warum dieser Blog-Titel?

 

Seit ich denken kann, bin ich unterwegs. Ich bin noch nie irgendwo heimisch geworden. Mein Leben ist eine einzige lange Reise. Eine Forschungsreise. Denn ich definiere mich als Wissenschaftler. Meine Reise führt mich durch die Welt der Nichtautisten (NTs), und deren Lebensweise ist so fremdartig – und oft genug auch bizarr – dass es sich lohnt, das zu dokumentieren.

 

Als Wissenschaftler sage ich:

Das Wissen von heute ist der Irrtum von morgen.

Was ich hier schreibe, ist mein Kenntnisstand heute. Morgen schon kann es sein, dass ich neue Beobachtungen mache oder neue Argumenten höre, die dazu führen, dass ich sage: Ich habe mich geirrt.

Also steht alles, was ich hier schreibe, unter dem Irrtumsvorbehalt: Vielleicht ist das so. Es kann aber auch ganz anders sein.

 

 

Wenn Sie finden, dass ich mit meiner Sicht der Dinge völlig falsch liege

 

Dann haben Sie damit sicher völlig recht. Sie können sich mit Sicherheit auf jahrelange Erfahrung stützen und haben feste Prinzipien sowie einen stark gefestigten Charakter. Das alles macht Sie sicher und standhaft in Ihrem Urteil. Aber bevor Sie anfangen, sich aufzuregen, denken Sie bitte daran – ich zwinge Sie nicht, das zu lesen.

 

 

Wenn Sie finden, dass ich mit meiner Sicht der Dinge völlig richtig liege

 

Dann haben Sie damit sicher völlig recht. Darüber hinaus sind Sie wahrscheinlich auch ein sehr angenehmer Mensch, intelligent, klug, belesen und bescheiden. Aber bevor Sie sich da jetzt reinsteigern, denken Sie bitte daran, dass es nicht ausschlaggebend ist, wieviele Menschen einer Ansicht zustimmen, damit sie richtig ist.

Wir können uns beide zugleich irren.

 

 

Ich bin nicht der Pressesprecher der Asperger-Autisten (AS)

 

In manchen meiner Texte mag es so klingen, als ob das anders wäre. Aber was ich hier schreibe, ist tatsächlich nur meine Sicht der Dinge. Ich spreche nur für mich, nicht für jemand anderen. Was für mich gilt, ist auch nicht auf jeden AS übertragbar. Was uns AS eint, ist unser Autismus. Aber in allem anderen sind wir genauso verschieden, wie die NTs untereinander verschieden sind.

 

 

Ich kann leider auf das Spiel mit der Sprache nicht verzichten

 

Viele AS haben Schwierigkeiten mit Wortspielen, Andeutungen, Ironie, Sarkasmus und Metaphern. Ich bin (fast) immer bemüht, meine Texte in einer einfachen Sprache zu halten. Aber ich kann nicht auf das Spielen mit der Sprache verzichten, ohne mir untreu zu werden. Es tut mir sehr, sehr leid, wenn dadurch meine Texte für manche unlesbar werden. Glauben Sie mir bitte – ich habe versucht, meine Texte ohne Sprachspiel zu gestalten – es geht nicht. Da kommt nur Murks bei raus. Ich habe versucht, es durch Kommentare in Klammern deutlich zu machen, wenn ich gerade irgendwas in die Sprache einbaue. Aber das macht die Texte völlig unbrauchbar. Das ist so, als würde man sich einen Film anschauen und aus dem Off raunt einem ständig einer ins Ohr, wie die Kameraeinstellung jetzt ist und worauf die Beleuchter bei dieser Szene besonders achten mussten.

 

 

Rechtschreibung und Zeichensetzung können fehlerhaft sein

 

Ich prüfe meine Texte intensiv bevor ich sie ins Netz stelle. Aber ich habe immer wieder meine Schwierigkeiten mit Rechtschreibung und Zeichensetzung. Ich weiß, wie störend es sein kann, einen Text in fehlerhaftem Deutsch zu lesen. Aber ich kann nicht garantieren, dass das, was ich schreibe, immer den gültigen Normen entspricht. Also: Wer einen Rechtschreib- oder Interpunktionsfehler findet, darf ihn behalten.

 

 

Die Länge der Texte begrenzt die Tiefe der Bearbeitung

 

Privat neige ich dazu, ausufernd lange Texte zu schreiben. Deshalb habe ich mir hier die Aufgabe gestellt, das, was ich zu einer Sache schreibe, auf eine Seite DIN A 4 zu begrenzen. Das gelingt mir nicht bei jedem Thema, aber bei den meisten. Das führt dazu, dass manche Aspekte eines Themas, die vielleicht auch wichtig wären, unberücksichtigt bleiben. Wenn ich ein Thema bearbeite, versuche ich also, mich auf die wesentlichen Kernpunkte zu beschränken.